Die Etikettierung der Kunst

Seitdem wir uns vor zwei Jahren bei MySpace Music angemeldet haben und täglich Freundesanfragen von Newcomern erhalten, fällt eines immer wieder auf:
Noch bevor ihre Musik nach irgendetwas klingt, scheinen sich die jungen Künstler schon viele Gedanken über die Etikettierung, das Image und die Vermarktung gemacht zu haben. Und auf allem klebt ein selbst-aufgeblasenes Label: die Band, die Crew, der Produzent, das Booking, der Shop, die Plattenfirma, der Vertrieb, die Wohngegend. Und alles tatsächlich ernst gemeint.

Und im schlimmsten Fall stellt man fest: Mag die Kunst bzw. das Produkt noch so gut sein, auf ihr klebt Ejakuliertes. Das selbstgebastelte Etikett – ein Art von pseudosymbolischen Gütesiegel – welches dem Rezipienten (besser Konsumenten?) suggerieren soll, die Sache hätte so etwas wie Professionalität. Alles sei super. Aber macht der Name alleine schon namhaft?

Nehmen wir an, die Eigenaussage von Kunst wäre nur noch gleichrangig mit dem Kommentar und dem Etikett. Als als ob die Verpackung der eigentliche Gegenstand wäre. Dann würde uns das sicherlich nicht schwer fallen. Denn die Zeiten sind vorbei, in denen man sein heroisches Gitarrensolo auf der Bühne spielen wollte um anschließend zu sterben. Die Zeit in der man Veranstalter bespuckt hat, weil sie Eintrittsgeld für Kunst verlangt haben. Das kommerzielle Geschäft läuft. Aber warum imitieren? Im einzigen Bereich, in der Kunst noch völlig unbefangen und frei von wirtschaftlichen Kompromissen existieren könnte. In der Sphäre, welche gemeinhin das Etikett „Untergrund“ trägt.

Woher kommt das Gehabe, was so weit weg vom eigentlichen kreativen Output ist? Sind wir so sozialisiert mit Markennamen, Image und der Konsumgesellschaft? Der amerikanische Traum „vom Mixtape-Vertrieb zum Goldplattenlabel“ erscheint uns als begehbarer Weg? Reich durch das Internet? Brauch ich jetzt auch einen Shop? Oder werden wir einfach nur immer blöder? Die große Misere ist  (siehe „Deutschland sucht den Superstar“), jeder „One in a Million“ Erfolg wird von 999.999 Pleiten begleitet. Der breiten Masse liegt es scheinbar fern, kritische Überlegungen zum eigenen Talent anzustellen.

„Könnte ich am Ende vielleicht auch einer der 999.999 sein?“

Aber, aber, aber… „Qualität setzt sich irgendwann durch“. Erstmal sollte man klären, gegen was sich Qualität und Kunst überhaupt durchzusetzen haben sollten? Kunst existiert aus sich, für sich und benötigt nicht einmal Kritik. Kunst braucht auch kein Geld für Miete, Kleidung, Nahrung und Heizung. Der Kunst ist es auch egal, ob sie überhaupt Geld wert ist. Es ist der Künstler, sein Schaffen, der von „Wert“ sein möchte. Der sich durchsetzen will. Aber muss das mit peinlichen „Etiketten“ geschehen? Oder: Muss man sich als Künstler wirklich immer so ernst nehmen?

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Dieser Beitrag wurde von elbenno geschrieben und am 11/10/2008 um 12:46 veröffentlicht. Er ist unter und sonst so abgelegt und mit getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Ein Gedanke zu „Die Etikettierung der Kunst

  1. die kleinen sehen eben bei den großen, daß image und marketing mehr bewirken als bloßes können (ist ja langweilig).
    und übrigens: besucht alle meinen onlineshop 😉

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